Hauser-Syndrom?
- Kann uns ein Toter Europa erklären?
Die Mythen um das "berühmteste Findelkind aller Zeiten" sind nicht schwächer geworden. In den bundesdeutschen Medien ist anlässlich des zweihundertsten Geburtstag Kaspar Hausers 2012 viel gegrübelt worden. 2013 überschlagen sich Premieren auf Bühnen und in Bücher mit der Hauptfigur Hauser.
Aber die Frage fehlt, was uns der vermutlich eingesperrte Thronfolger, der erst spät sprechen lernen musste, heute noch sagen?
Paul Heinrich hat dazu ungewöhnliche Selbstsichten gedichtet, die uns Kaspar Hauser näher bringen, abseits der Oberflächlichkeiten von Erbfolgen. HAUSER ist eine Hommage an Hauser. Der Titel erschien im Dezember 2012 zeitgleich in den USA, Kanada und Großbritannien. Das Thema wurde 2013 in Theaterstücken und einer Fülle neuer Veröffentlichungen aufgegriffen.
Garten- und Bau-Schau: Vom "Terrornest" zur Attraktion
- Die Stadt aushusten: Der IBA-Ort Harburg ist "saniert", aber ungesund
Ein unbedeutender Stadtteil am Rande Hamburgs - und doch weltbekannt: Harburg an der Süderelbe. Ab dem Frühjahr 2013 gastieren hier sowohl die "internationale gartenschau" (igs) als auch die "Internationale Bauausstellung (IBA). Zuvor war es laut ungezählten Medienberichten ein "Terrornest". Hier sollen sich drei der WTC-Attentäter vorbereitet haben.
Der Journalist Rainer Jogschies berichtet Unglaubliches von den Bewohnern Harburgs, ihren Beamten und den Provinzpolitikern, aus einer Zeit, als der Ort postalisch schlicht als "21 Hamburg 90" wegsortiert war - und doch eher an Schilda oder Palermo erinnerte, wenn Medien mal von dort berichteten. Immer aus gruseligen Gründen: Weil ein Feuer-Inferno mit Kampfgasen tobte, weil Raffinerien verglühten oder Gift zu Bergen aufgehäuft wurde.
Mittlerweile sind die Klischees und Mythen zu dem Vorort medial noch kurzatmiger und billiger als je zuvor. "Hamburg ist eine schöne Stadt," schreibt beispielsweise Friedich Pohl in der Tageszeitung Die Welt. Dann schränkt er das Lob ein: "Allerdings nicht in jedem Stadtteil. In Harburg zum Beispiel. Dort muss es ziemlich trostlos sein. Das Wissen um diesen Umstand verdanken auch Nicht-Hamburger dem äußerst vielseitigen Unterhaltungskünstler Heinz Strunk."
Pohl kommt zu dem Schluss: "Es ist viel zum Heulen in Hamburg-Harburg." Ganz anders sieht es der Journalist und Politologe Rainer Jogschies. Er meint, dass Leben sei viel zu ernst zum Heulen und fühlt sich von der Skurilitätenshow der erfundenen Figur Heinz Strunk wenig "unterhalten". Sie habe nichts mit der Wirklichkeit dieses Stadtteils zu tun, den ihre Bewohner seit Jahrzehnten aushusten, weil er eine zerstörerische "Sanierung" feinen Staub auf ihre Lungen gelegt hat.
Die keineswegs ausgedachten Geschichtchen, sondern seine engagierten Reportagen aus einem Stadtteil sind keine Klamotte, sondern ein Krimi. Sie handeln vom fortwährenden Kampf um eine Stadt, in der es sich leben ließe, wenn die Bürger sie sich zurückerobern könnten ...
Aktuell zum gerade vergangenen Kirchentag 2013 sind hier zwei Leseproben als PDF eingestellt, die die heitere Erhabenheitsstimmung gar nicht trüben wollten und konnten, so (selbst)vergessen sind die bitteren Anlässe kirchlichen Versagens ...
Kleine Freiheit am tiefen Fluss
- Der Blues kommt von der Elbe, der Folk kommt an die Elbe ...
Die meiste Zeit des Jahres ist der Gitarrist Roland T. Prakken auf Tournee, mal mit keltischen, mal mit irischen, schottischen oder kurdischen Songs. Wenn er dann nach all den Klein- und Großstädten wieder zu Hause an der Elbe ist, schreibt er seinen ganz eigenen Blues: vom Leben um ihn, auf Deutsch und auf viele Arten.
Es ist zudem so etwas wie der Soundtrack zu Prakkens erstem Roman TREULOSE TOMATE IST NICHT MEIN GEMÜSE, der mit Witz und Wahnsinn den Alltag deutscher Tourmusiker schildert, so wie ihn picklige Fleischesser nie erlebten, selbst wenn sie "Fraktus" für eine pickeltilgende Frucht halten.
Mehr über Roland Prakken und seine derzeitigen Mitmusiker und Projekte erfahren Sie hier.
Da war schon wieder eine Buchmesse: Immer mehr Bücher - immer weniger Buchläden und Leser in 2013?
Die Buch-Branche feierte sich in Leipzig 2013 ebenso ungerührt wie in Frankfurt/M. 2012
Wer im Internet stöbert, sich die Anzeigen von Buchdiskountern ansieht oder bei der Wohlthat´schen Buchhandlung wühlt, weiß spätestens: Ramsch wird nicht nur geschrieben, es ist ein Prinzip der Buchbranche. Stets wurden Bücher produziert, die keinen Erfolg hatten - sie wurden nach einiger Zeit makuliert. Seit aber Betriebswirte Lagerhaltungs- und Vertriebskosten zu dämpfen vorgeben, landet alles auf den Ramsch, was nicht sofort ein Bestseller ist. Und Bestseller wird heutzutage schon, wer sich im Internet Passagen zusammenklaubt. Für Urheberrechte wird nicht gebremst - Roadkill.
Zum Nachteil der Autorinnen und Autoren - und zum Schaden der Leser, die zwar Bücher billig erstehen können, aber das Nachwachsen guter Schreiber durch die Billighuber der Buchsupermärkte verhindern.
Das erste Buch des Nachttischbuch-Verlages war 2004 daher ein Roman, der sich dieser Umstände satirisch annahm: DER BUCHMESSER. Inzwischen sind die Zeiten härter geworden für Schriftsteller und Verlage, deshalb erschien das Buch im fünften Jahr des Verlages 2009 noch einmal mit einem aktualisierten Anhang.
Lesen Sie dazu unten das Geleitwort der Verlagsleiterin.
Kanzlerbonus auch noch im Herbst 2013?
- Kann Angela Merkel darauf bauen?
Einer hat sich abseits des Medienrummels etwas anderes als die Berliner ausgedacht, obwohl es auch um Machterhalt und Niedergang, um Parteiintrigen und um Terrorismus geht: Johannes Goettsche hat einen Krimi geschrieben, was denn passieren könnte, wenn der Kanzler mal nicht im Amt, sondern in der Provinz sitzt. Der fiktive Kanzler Werner Kolb wurde nach Thüringen zur Kur geschickt - und gleich geht es in Berlin drunter und drüber; Terroristen machen sich auf den Weg. KANZLERBONUS ist eine spannende und amüsante Abrechnung mit dem Theater, das die Parteien uns als Wählern bereiten.
So feinnervig, so scheinbar naiv, vordergründig bürgernah und hintergründig hat noch kein deutscher Autor den bis zur Unfähigkeit professionalisierten Politbetrieb auf die Schippe genommen und auch die billigen Antworten des Alltags werden nicht geschont ...
Ingeborg-Bachmann-Preis 2013
- Nikola Anne Mehlhorn wurde nominiert
In Klagenfurt am Wörthersee wird diesmal auch die NACHTTISCHBUCH-Autorin Nikola Anne Mehlhorn in den Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis gehen - wir wünschen aus Berlin viel Glück. Informationen über ihren letzten Roman SALZFLUT finden Sie unter dem link.









