Der Buchmesser. Reloaded

Kurze Erzählung vom Ende des Erzählens, 2009


Im Juni 2009 wollte der bundesdeutsche Schriftstellerverband VS eigentlich sein vierzigstes Jubiläum begehen. Doch der gewerkschaftliche Dachverband, ver.di, strich die Zusammenkunft. Es wurde Geld für den Streik der KiTa-Mitarbeiter benötigt. So investiert man in "die" Zukunft! Fragen nach der sozialen und berufliche Misere der Autorinnen und Autoren wurden gemieden...

Dabei ist die Geschichte beispielsweise einfach die: Ein Autor auf einer weiten Reise. Auf der Frankfurter Buchmesse will er sein Manuskript verkaufen. Alles, was schiefgehen kann, geht schief.

Doch er hat Erfolg. Nur was für einen! Statt Bestseller wird er Restseller ...

Also eine Satire? Die Satire von einem, der auszieht, sein Glück zu suchen? Alles andere als das - es ist lächerlich ernst. Denn das jährliche Treffen der Autoren ist in Jogschies´ Erzählung nicht bloß ein Jahrmarkt der Eitelkeiten mit dem Charme eines kleinstädtischen Baumarktes. Besäufnisse und mancherlei Blödheiten sind noch die geringsten Belastungen beim Buch-Machen. Das wäre allein noch nicht das Schlimmste.

Die Schwierigkeiten eines ersehnten Bucherfolges sind ernster. Die ihn wollen, machen sich dabei oft nicht nur lächerlich. Der erträumte Bestseller in dieser Erzählung erlebt den Alptraum eines Restsellers. Ramsch wird nicht nur geschrieben. Er wird das Markenzeichen der Branche.

Der Buchmesser. Reloaded

Neu veröffentlichte Erzählung mit einem aktualisierten Anhang


Im März ist die Buchmesse in Leipzig. Und im Herbst ist schon wieder Messe: In Frankfurt/Main. Nur einer fehlt stets: Der Buchmesser – jener freundlich konfuse Autor aus dem gleichnamigen Roman über diese jährlichen Jahrmärkte der Eitelkeiten. Stattdessen erscheint, fünf Jahre nach dessen Erstveröffentlichung, die Erzählung Von einem, der auszog in Frankfurt das Fürchten zu lernen,  nun noch einmal. Und sie kommt noch witziger und doch ernster daher.

Denn ist Situation ist irgendwie schon komisch: Die Umsatzzahlen der Buchbranche steigen zwar manchmal. Es gibt Jahr für Jahr allerdings immer mehr Neuveröffentlichungen, immer mehr Autorennamen, immer mehr Buchtitel. Das klingt nach einer Erfolgsstory.

Aber die Branche stagniert, am meisten an sich selbst. Betriebswirte und Buchclowns haben mehr Konjunktur als Autorinnen und Autoren. Immer mehr Erstveröffentlichungen werden inzwischen von den Autoren selbst herausgegeben: Der Eigenverlag ist allerdings der Anfang vom Ende des Schreibens. Wer sich nur noch selbst vermarkten muss, der kommt kaum zum Schreiben – vom Lesen ganz zu schweigen.

Daher war nach fünf Jahren eine Wiederveröffentlichung des ironischen Romans Der Buchmesser geboten, im handlicheren Taschenbuch-Format. Der Autor, Rainer Jogschies, aktualisierte das Buch u.a. mit dem Essay Autor verschwindet - dadurch wurde das Buch freilich umfänglicher als die Erstveröffentlichung.


Als Gesprächsstoff wäre es für den geplanten Schriftstellerkongress im Juni 2009, zu dessen vierzigsten Jahrestag, gut gewesen. Doch die Gewerkschaft ver.di sagte das VS-Jubiläum ab - aus Kostengründen. Ob dies Ironie oder Zynik war, wird sich in der nicht gerade rosigen Zukunft der Berufsgruppe erweisen, die eben weniger Mitgliedsbeiträge als Kindergärtnerinnen, Polizisten und Müllwerker aufbringt. Für jene spendierte ver.di immerhin so manche Trillerpfeife und Müllsack-ähnliche Demo-Kluft, um unsere Nerven zu strapazieren.


Die erste Veröffentlichung des Nachttischbuch-Verlages, Der Buchmesser, wurde somit im Juli 2009 auch die elfte, Der Buchmesser. Reloaded – die Brisanz für das Buchgeschäft blieb gleich, trotz eines lachenden und eines weinenden Auges der Leser, denen wir hiermit danken.

Rainer B. Jogschies hatte den Mut, seine Buchmesse-Erlebnisse immer wieder denen zu lesen und zu hören zu geben, die an die Events in Frankfurt/Main und Leipzig glauben, denen das Buch noch heiliger geworden ist, seit das Fernsehen völlig an Format verloren und an Einfluss gewonnen hat.


Seine kleine, böse Satire im Stil von Heinrich Bölls Dr. Murkes gesammeltes Schweigen sollte jeder lesen, der sich seine Liebe zu Büchern melancholisch bewahren will ...



Rainer B. Jogschies: Der Buchmesser. Reloaded
Neuauflage, stark erweitert, Berlin 2009
220 Seiten zu 19,80 €
Copyright © Nachttischbuch
ISBN-13:
978-3-937550-16-9

 

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Aufputschpille für Autoren?

Besprechungen der Erstveröffentlichung von "Der Buchmesser"


Helma Nehrlich schrieb dazu im Fachmagazin für Journalisten „M – Menschen machen Medien“ unter der Überschrift „Fast schon ein Tatsachenroman“:

„Früher beschrieb man solche Pilgerreisen unter Titeln wie „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“. Da gab es allerdings noch keine Buchmessen, keine Großraumwagen bei der Bahn, keine Party-Bewirtungs-Coupons, keine allgegenwärtige terroristische Gefahr, geschweige Verleger, die ihre Neuerscheinungen an Versandhändler verramschen, um im Gegenzug palettenweise Ladenhüter loszuwerden.“

Und Anne von Blomberg redete den Lesern des Internetportals „ReadMe“ gut zu:

„Diese Kurze Erzählung vom Ende des Erzählens schildert das Drama eines Autors, der nichts weiter will, als einen Verleger finden. Sollte auf der Frankfurter Buchmesse doch nicht so schwer sein, oder? Es ist hoffnungslos. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, habe aber nie gewagt darüber zu schreiben, weil ... man will sich ja nicht alle Chancen bei den Verlagen kaputtmachen. Rainer B. Jogschies hat mehr Mut. Er machte aus seinen Buchmesse-Erlebnissen eine kleine, böse Satire. Auf sich als verzweifelten Autor, auf die Verlagsmenschen, die ganze Messe. Oder nein. Eigentlich ist es gar keine Satire. Jogschies schildert die Realität. Die albernen Begrüßungszeremonien, die schlimmen Besäufnisse, die Arroganz der „anerkannten“ Autoren und den überwältigenden Hochmut der Verleger und ihrer Helfer. (...) Wenn Sie an einem Besuch der nächsten Frankfurter Buchmesse herumüberlegen, um Ihr Manuskript anzubieten –  genießen Sie vorher dieses Buch. Als Aufputschpille. Wenn Sie dann trotzdem hinfahren – ich drücke Ihnen beide Daumen.“

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