Ballerspiele sind noch lange keine Medienkompetenz ...

Die Reihe "Hermes´ Wege" kritisiert Medien und -Kompetente


Spätestens seit der Jahrtausendwende ist in den westlichen Nationen kaum noch die Rede von der "Bürgergesellschaft" oder einer "Medienvielfalt". Sattdessen wird landläufig von "Mediengesellschaft" und "Mediendemokratie" gefaselt. Viele, viele bunte Kanäle gelten bereits als Pluralität. Wenn Gören ohn' Unterlass und mit T9-Unterstützung SMS versenden oder Computer zu "Ballerspielen" und "Egoshooter"-Games "vernetzen", so wird dies von einigen Medienwissenschaftlern und Feuilletonisten oft als "Medienkompetenz" hochgejubelt ...


Welcher Medienbegriff liegt dem denn (noch) zugrunde? Welchen Bezug zur Gesellschaft hat das noch - außer den rasanten Leerlauf?


Die medienkritische Reihe Hermes´ Wege nimmt sich der tatsächlichen Herausforderungen der zunehmenden Medienzahl und -kanäle an - aber auch des Unfugs, der von Politikern und Medienwissenschaftlern dazu verbreitet wird.

 


Was ist schon die "Echtzeit" gegen die Gegenwart?

Hermes´ Wege sind verschlungen ...


Die Veröffentlichungsreihe "Hermes'  Wege" erscheint im Nachttischbuch-Verlag, sie ist nicht auf die schnelle "Medien-Hype" aus. Gerade über die vermeintlich "schnellen" Medien muss in Ruhe nachgedacht werden. Was ist schon "Echtzeit" gegen die Gegenwart?

"Hermes' Wege" befasst sich mit den Zusammenhängen von Politik, Medien und Gesellschaft - mit dem Blick über den Tag hinaus. Die einzelnen, abgeschlossenen Bände sollen Entwicklungen rechtzeitig (wissenschaftlich) analysieren und allgemein verständlich nicht nur einem (akademischen oder Fach-) Publikum mitteilen.

Die Untersuchungen, Essays, Erfahrungsberichte und Anthologien werden ihre Relevanz durch die Praxisnähe gewinnen und Perspektiven zeigen. Deshalb sind sie besonders für Medienkonsumenten, aber auch Studenten der Publizistik und Journalistik geeignet.

Die jeweilige Methodik wird sich eng am Gegenstand orientieren und beispielsweise hermeneutische Ansätze sowie cultural studies und Diskursanalysen einschließen. Anders gesagt: Sie sollen spannend erzählt werden. Sie werden sich darüber hinaus sowohl "populärer" Serien wie auch komplexer Medienkonzernstrukturen oder der Kunst der Schlachtenmalerei annehmen.

Zwischen Hermes und Hades

Wieviel "Ökonomie" verträgt die Aufmerksamkeit?


Der Götterbote Hermes als Namensgeber der Reihe soll die vielen, verschlungenen Wege andeuten - statt der so oft in den Medien- und Kulturwissenschaften weihevoll runtergebeteten Topographien der einen oder anderen "Medienlandschaft". Sie betrachten die Medien angehoben von einem vermeintlichen Feldherrenhügel aus statt zu notieren, wie die Schlacht um Sinn und Deutung in den modernen Gesellschaften tobt.

In der Reihe "Hermes' Wege" sollen Ansatzpunkte für ein anderes Verständnis der Zusammenhänge zwischen Aufmerksamkeit und Vernachlässigung, Sensation und Alltag sowie "Ökonomie" und Demokratie gewonnen werden. Die Zeit und insbesondere die Dauer werden eingeführt gegen eine wörtlich kurzsichtige Medienhaltung des Augenblicklichen, der vorgeblichen "Echtzeit" des "Live"-Berichtens.

So entstand als erstes Band der Reihe Nirwana der Nichtse. Ortskunde vordergründig eine Sammlung von Reportagen und Features aus drei Jahrzehnten. Doch der Gang durch ein Archiv der fast vergessenen Ereignisse aus dem Örtchen Harburg bietet Material, um die These zu prüfen, die "Mediengesellschaft" werde mittels einer "Ökonomie der Aufmerksamkeit" informiert. Die "globalisierten Medien" würden aus der "Nachrichtenflut" für den Bürger das "Wichtige" auswählen.

Ausgangspunkt dieser Rückschau war die plötzliche weltweite Aufmerksamkeit, die der Hamburger Stadtteil durch die Ereignise vom 11. September 2001 erfuhr: Drei der mutmaßlichen Attentäter stammen aus Harburg. Essays am Beginn und am Ende des Bandes versuchen das Material aus lokalen Zusammenhängen neu zu sichten und zu ordnen. Das Buch können Sie hier bestellen.

Die Reihe nimmt sich des Spiegels der Medien an, die unsere Gegenwart kaum noch erkennen lässt. Es ist fast so wie es Kingsley Amis 1961 über die "Science Fiction"-Stories sagte: Sie seien "New Maps of Hell", Landkarten der Hölle, in die wir zu fahren drohen. Diese zu vermessen, diene unserer Orientierung.

Der Unterschied ist, dass wir es "nach dem 11. September" nicht mit "Science Fiction" zu tun haben, sondern einer medial überdrehten Wirklichkeit, die schon selbst zum Hades geworden ist.
zum Seitenanfang | eine Seite zurück | Print-Version anzeigen