Paul Heinrich

Der Sprachspiegler - zwischen Krieg, Friede und Sauferlebnissen


Paul Heinrich schreibt seit er Zwölf war. Man merkt diese lange Beschäftigung der Intensität seiner Sprache an. So vermessen, daraus einen Beruf machen zu wollen, war er nicht. Er lebt zurückgezogen mit Frau und Kindern in Süddeutschland.


Doch er wundert sich über die Welt und was die Menschen aus ihr machen. Deshalb schrieb er auch weiter, als niemand seine oft schwermütigen Gedichte veröffentlichen wollte ...

 

Eine andere, lyrische Form der Tragik

Warum der Autor nicht als Autor arbeitet?


Geboren 1969 im Westfälischen nahe Tecklenburg. Mit zwölf, dreizehn Jahren begann er zu schreiben, erinnert er sich. Erst nur für sich. Denn schulisch wurde seine Textarbeit nicht gewürdigt, er bekam Verweise. "Irgendwie" - nach Abitur und Wanderjahren - war er mal in der Gegend um Kiel, aber bei Osnabrück - vor allem aber beim Schreiben zuhause.


Paul Heinrich hat keinen geraden Weg gewollt. Freunde lachten über seine schriftstellerischen Träume. Sie gingen ihren Weg.  Doch hat er die Welt mit Frau und drei Kindern für sich anders entdeckt als sie in seinen feinnervigen und glasklaren Gedichten aufscheint. Im Januar 2008 wurden sie erstmals veröffentlicht: INNE HALTEN. Im Januar 2009 erschien der Fortsetzungsband: TELLERRANDWÄRTS. Im Januar 2010 folgte der dritte Teil: NACH TISCH.


Er lebt zurückgezogen, arbeitet in einem sozialen Projekt.


 

Wer die Aufs und Abs kennt ...

Der Autor im Spiegel

 

Wenn die Tage vergehen und weder Beginn noch Anfang zu erkennen sind, dann wird für viele Deutsche der Blick allenfalls vom Alkohol getrübt. Aber die Sicht über leere Flaschen hinweg auf die Welt sagt über das Kleine in der Umgebung weniger als vielmehr über die Kleinheit des Großenganzen. Man muss es nur aussprechen können - sich und anderen.


Paul Heinrich ist einer, der es kann. Seine Gedichte erzählen von der Einsamkeit, die mit dem Gefühl kommt, nicht allein auf der Welt zu sein - auch wenn sich alle anderen so aufführen als wären sie es.


In zerbrechlichen Schilderungen drastischer Situationen der Verzweiflung beleuchten sie den absurden Widerspruch, dass ausgerechnet ein scheinbarer Außenseiter inmitten der geleugneten Zusammenhänge ersäuft, über die gemeinhin süffig hinweggegangen wird. Paul Heinrich ist ein Moralist ohne moralin zu schreiben.


In seinem Gedicht "Als ich noch Bedenken hatte" schreibt Paul Heinrich:

"so das Fühlen selbst ein Spiegel ist/ oder auch nur Umkehr dessen was ist/ mit uns oder eben nicht/ uns berührt oder wir es gerne würden/ so wir nicht in der Lage sind/ zu lieben und doch Kriege führen/Kinder zeugen um uns zu verlassen/ in Weiß die Lüge sprechen/ ihr im Totenhemd entrinnen/ oder mit zwei Koffern das Weite suchen/ nicht mal ein Bild in der Tasche/ also was könnte schlimmer sein/ als das Glas zu nehmen/  im rechten Licht und in Tränen aufgelöst/ darum zu bitten/ dass alles nur ein billiger Trick ist"

 

 

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Wer das Hin und Her verneint ...

Der Autor auf dem Weg

 

Der erste Gedichtband von Paul Heinrich bot eine sprachliche Klarheit, die nicht nur Kritiker begeisterte. "inne halten" war zwar vordergründig von Kummer und Kater am Mittag geprägt, doch der Halt innen verstörte. Es war keine Innerlichkeitslyrik, sondern feinnervige Abrechnung mit angenehmen Lebenslügen.


Davon handelt auch die Fortsetzung: "tellerrandwärts". Vielleicht kann inzwischen nur einer wie Paul Heinrich, der sich aufs Land und ins Schreiben zurückgezogen hat, dies mit dem Abstand präzise besehen und beschreiben. Ihm entgeht nicht, dass viele es gelernt haben zu schwimmen ohne Wellen zu machen.


Schwimmen ohne Wellen:


Menschen verdorren nicht mehr am Wegesrand
sie gehen wimmernd in Flammen auf
und vom Mittelstreifen siehst Du nichts
für endlose Meilen
bis ein weiterer Kontinent Dich ins Meer verabschiedet

 

Paul Heinrichs Trilogie rundet sich 2010 mit "nach Tisch". Darin setzt er die Selbstbetrachtungen der vorangegangenen Bände fort, beispielsweise den Zyklus "Loch im Dach überm Kühlschrank". Aber Paul Heinrich geht weiter, noch radikaler nach innen - zu seiner Liebe, seinen Ängsten und Sehnsüchten.



 

 

 

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