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05.09.2010
Was Medien aus einem Haus machen ...Beispiel "Terrornest" Marienstraße 54Es ist nur eine Straße. Es ist nur ein Haus. Aber es halten Reisebusse mit Touristen davor. In der Marienstraße 54 in Hamburg-Harburg sollen drei der Attentäter des "11.9." ihre Pläne geschmiedet haben. Medien aus aller Welt waren nach dem Einsturz des World Trade Centers dort. Zu sehen war nach den Anschlägen ebenso wenig wie davor. Doch die Medien machten Umsatz. Es war eine Frage der Zeit und der Art der Berichterstattung. Zur Wahrheit trug es nicht bei. Die Wirklichkeit hat es nicht verändert. Immer noch ist die katholische Mariengemeinde nebenan. Die Moschee residiert dort, wo früher die jüdische Gemeinde ihren Sitz hatte. Verdächtigte sind wieder "auf freiem Fuß" und in dieser Straße. Dieses bizarre Beispiel der Medienhype und der Zeit-Phänomene ist ausführlich beleuchtet in NIRWANA DER NICHTSE. Ortskunde. |
Nun mal schön der Reihe nach? Und dann?Der Nachttischbuch-Verlag plant SchwerpunkteAuch wenn der Nachttischbuch-Verlag noch jung ist (und es bleiben will) ... Auch wenn wir uns der schnellen Förderung einzelner Autoren verschrieben haben, die in anderen Verlagen oft zu kurz kommt (und bei uns mit den sparsamen Mitteln auch etwas länger dauern wird): Gleichwohl, wir denken über den Tag hinaus! Es soll mehr in diesem Verlag geben und entstehen als der Einzelne anderen mitteilen kann. Das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Einzelteile. Deshalb haben wir beispielsweise eine medien-kritische Reihe geplant: Die Hermes´ Wege. Man muss ja wissen, was man heutzutage überhaupt noch mitteilen kann. Denn die Medien arbeiten tendenziell an ihrer Selbstentwertung. Deshalb haben wir ja einen Verlag mit Bordmitteln gegründet - weil andere Verlage längst nur noch betriebswirtschaftliche Unternehmen sind wie eine Wurstfabrik auch. Zum anderen haben wir von Anfang an mit Autoren über einen Schwerpunkt für die kommenden Jahre geredet, nämlich unseren Umgang mit der Zeit. Es wird bereits an Manuskripten gearbeitet, die keine Eintagsbücher abgeben sollen (wie sie beim Trend- und Ratgeber-Genre leider üblich geworden sind). Auf diesen Seiten werden Sie demnächst erfahren, was denn da vorbereitet wird. Oder Sie können diese Hinweise zum Anlass nehmen, uns zu kontakten und weitere Ideen anzuregen. Unten finden Sie dazu ein elektronisches Formular - auch wieder so eine modische Sache!
Hermes´ WegeDie medien-kritische ReiheWeil die Medien immer mehr unseren Alltag einnehmen, werden Journalisten, Politologie und Kunsthistoriker in lockerer Reihenfolge den Weg durch den Dschungel bahnen. Die Reihe "Hermes' Wege", benannt nach dem griechischen Götterboten, soll gute und schlechte Nachrichten analysieren, nach der Wahrheit hinter all den Schlagzeilen fragen und mehr als Talkshows sprechen lassen. Mehr... Im Nachttischbuch-Verlag denken wir dabei gern an Kurt Tucholsky. In den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte Kurt Tucholsky für den Journalismus sozusagen bereits einen praktischen Feldversuch geleistet, indem er sich immer wieder als schreibenden Leser anbot, nicht nur sobald er die Bücher besprach, die auf seinem Nachttisch der Lektüre harrten. Kurt Tucholsky griff mit seinem Schreiben ins Tagesgeschehen ein, wo er konnte und mochte. Seine Texte waren zwar einerseits nach den heute noch gängigen Kriterien des Journalismus beispielsweise als Kommentar, als Glosse oder Buchbesprechung zu kategorisieren. Doch hatten sie mitnichten diese alltägliche Bedeutung, die für den Leser eher Dienstleistung als Orientierung bietet, sondern gingen über diese vermeintlich sachgerechte Funktion bei weitem hinaus. Tucholsky schrieb nicht wie es im Journalismus üblich war (und leider oft nicht mehr ist) trocken und nicht fiktional, so dass man einen Blick auf die sozialen Zustände gespiegelt bekam – denn seine immense Produktivität nutzte die Möglichkeiten des Mediums Zeitung in seiner Ambivalenz, er hob in seinen Texten die gesetzten Grenzen so sanft wie nebenher auf, die bloß noch "Neuigkeit" an die Stelle von "Erfahrung" zu setzen versuchen oder "Sensation" an die Stelle von "Gewissheit", oder "Schlagzeile" an die Stelle von "Sinn". Das mögen unzureichende, weil scheinbar nicht komplementäre und deshalb ungeeignete Gegensatzpaare sein – doch ist es die intuitive Orientierung eines Schreibers, die nicht länger nur "Erzähler" beispielsweise im klassischen oder Benjamin´schen Sinne sein mag und doch noch nicht weiß, wie er es überhaupt noch sein kann... Schwerpunkt ZeitLesen, was die Stunde geschlagen hatStress und Zeitverschwendung stehen sich in den westlichen Gesellschaft oft unmittelbar und zugleich unversöhnlich gegenüber. Millionen Menschen leiden unter wörtlichen Zeitkrankheiten. Und die Hetze wird in den kommenden Jahrzehnten wohl noch zunehmen, obwohl die Tage nicht länger werden. Der Nachttischbuch-Verlag wird sich mit langem Atem des Themas Zeit annehmen. Immer wieder soll die Zeit als unser Weggefährte und bester Freund aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Denn wir haben nichts anderes im Leben als begrenzte Zeit ... Mehr... |