Rainer B. Jogschies

Der Sprachdenker - zwischen Stress, Buchmesse und Nirwana


Rainer B. Jogschies ist Politologe und Publizist. Seine akademischen Schwerpunkte sind das  parlamentarische System der Bundesrepublik und die jüngere Geschichte. Seine Veröffentlichungen kreisen jedoch immer wieder um Rockmusik (siehe auch die PDF in der linken Spalte), Liebe und Frieden.

Das ist nicht hip, aber auch kein Hippie-Kram - denn in über zwanzig Jahren als Buchautor hat sich daraus ein Stil entwickelt, der konsequent das Ernste der Lächerlichkeit preisgibt und das scheinbar Lächerliche des Alltags ernst nimmt.

Foto: Antje Hadler;Waaren/Müritz 2011 (Copyright Nachttischbuch-Verlag)
Journalist Rainer Jogschies

Eine andere, bodenständige Form des Journalismus

Wie der Autor arbeitet


Diese methodische Mischung aus Groove und Institutionenkunde, aus Bundestagsgeschäftsordnung und Peace kommt bei den unterschiedlichsten Themen immer wieder zu einem seltsamen Ort: In seinen Büchern hat der Harburger immer wieder Harburger Leben liebevoll geschildert.

Beispielsweise wollte er in "Wo, bitte, geht's zu meinem Bunker?" (Hamburg 1985, Berlin 1988) schon mal probeliegen bevor der Atomkrieg kommt. Eine verblüffende Reportage über Zivilschutz in der Bundesrepublik wie der "stern" fand. In "Make love, not war" (Berlin 1992), einem Feature über die sexuelle Notstandsrepublik Deutschland in den Siebzigern, oder in "Ist das noch mein Land?" (Hamburg 1994), einem medienkritischen "deutschen Tagebuch" der Neunzigerjahre, kam ebenfalls der Süden der Hansestadt vor - als locus communis: als unbestimmtem Ort, an dem wohl alles und auch nichts möglich ist.

Auch der "11.9.", der angeblich die ganze Welt veränderte, wird in "Nirwana der Nichtse" (Nachttischbuch-Verlag, Berlin 2005) am Beispiel Harburgs behandelt, das Nirgendwo als kurzzeitiger Versammlungsort der Weltpresse. Drei der mutmaßlichen Attentäter kamen aus der dortigen Marienstraße, die zur katholischen Kirche führt - Grund für Jogschies, in einer "Ortskunde" nachzusehen, wie in den drei Jahrzehnten davor mit jungen Menschen und ihren Träumen  umgegangen wurde, wie die Stadt auch ohne Terror zerstört wurde ...

Andere seiner Themen nahmen sich gleichfalls besonderer Ort und Umstände im Alltag an, so seine Medienanalyse "Emotainment - Journalismus am Scheideweg. Der Fall Sebnitz und die Folgen" (Münster, London 2001) oder sein Essay "Blitzkrieg gegen sich selbst - Die Non-Stop-Gesellschaft" (Nachttischbuch-Verlag, Berlin 2004), der unsere Heimatlosigkeit in der Zeit untersucht.


Wer im Glashaus sitzt ...

Der Autor als "Aufputschpille"


Zwischen Stress-Gesellschaft, Nirwana und Buchmesse, über die Jogschies 2004 im Nachttischbuch-Verlag den satirischen Schlüsselroman "Der Buchmesser" schrieb, arbeitet der Autor immer wieder als Dozent und Medienberater in Hamburg (siehe linke Spalte). Er leitete Redaktionen und Fernsehteams. Für sein wörtliches Fernseh-Spiel "Vier Wände - Eine deutsche Einheit" zu den "Bildern der Wiedervereinigung" bekam er 1992 den Glashaus-Preis verliehen.


Jogschies gibt immer wieder verblüffende Antworten zu Themen, die anderen womöglich als "nicht interessant" oder schon "ausreichend behandelt" schienen. Deshalb passt er ins Nachttischbuch-Programm, für das er auch gelegentlich Lektorate machen und die medien-kritische Reihe "Hermes´Wege" herausgeben wird.

 

Anne von Blomberg empfahl den Lesern des Internetportals ReadMe:

„Der Buchmesser. Kurze Erzählung vom Ende des Erzählens“ schildert das Drama eines Autors, der nichts weiter will, als einen Verleger finden. Sollte auf der Frankfurter Buchmesse doch nicht so schwer sein, oder? Es ist hoffnungslos. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, habe aber nie gewagt darüber zu schreiben, weil ... man will sich ja nicht alle Chancen bei den Verlagen kaputtmachen. Rainer B. Jogschies hat mehr Mut. Er machte aus seinen Buchmesse-Erlebnissen eine kleine, böse Satire. Auf sich als verzweifelten Autor, auf die Verlagsmenschen, die ganze Messe. Oder nein. Eigentlich ist es gar keine Satire. Jogschies schildert die Realität. Die albernen Begrüßungszeremonien, die schlimmen Besäufnisse, die Arroganz der „anerkannten“ Autoren und den überwältigenden Hochmut der Verleger und ihrer Helfer. (...) Wenn Sie an einem Besuch der nächsten Frankfurter Buchmesse herumüberlegen, um Ihr Manuskript anzubieten – genießen Sie vorher dieses Buch. Als Aufputschpille."

 

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